Sonntag, 18. April 2021 

welsÜberregionales | Wirtschaft | 31.12.2020

Achleitner: 2021 soll Jahr des Comebacks werden

Region Wels mit Vorbildfunktion

Die Menschen müssen in Beschäftigung bleiben oder rasch wieder in Beschäftigung kommen. Daher muss die Wirtschaft wieder volle Fahrt aufnehmen und die Unternehmen investieren. Die Power Region Wels/Wels-Land ist hier auf sehr gutem Kurs, war Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner bei einem Besuchstag am 23. Februar in seinem Heimatbezirk überzeugt.
Wie die Region die Krise meistert und wie sie vor allem wirtschaftlich gestärkt aus dieser schwierigen Phase hervorgehen kann, war das zentrale Thema. Im Rahmen des Besuchstages wurden Resch & Frisch in Gunskirchen und die Installationsfirma Holzinger in Lambach besucht. Bei einem Rundgang auf dem Stadtplatz wurden persönliche Gespräche geführt.
Achleitner: „Auch wenn die Zeit aktuell für viele sehr herausfordernd ist, bin ich überzeugt, dass Oberösterreich gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird. Wir setzen umfassende Maßnahmen am Arbeitsmarkt, etwa im Rahmen des kürzlich unterzeichneten ‚Pakt für Arbeit und Qualifizierung‘, die Investitionsprämie des Bundes wird stark nachgefragt und die Investitions-und Ausbauvorhaben der Unternehmen zeigen, dass eine große wirtschaftliche Dynamik vorhanden ist“.

Ein Beispiel der bemerkwenswerten Unternehmer-Initiativen in der Region Wels ist der Neubau der Felbermayr-Zentrale im Nordwesten der Stadt. Jahrelang hatte Horst Felbermayr sen. für einen idealen Logistik-Standort am Rande des Flughafens gekämpft, vor zwei starb der Erfolgsunternehmer und konnte gerade noch den Start des 'Ersatz'-Neubaus miterleben. Am 13. März jährt sich sein Todestag zum zweiten Mal, sein Sohn wird noch im ersten Halbjahr den Neubau offiziell eröffnen können.

Situation am regionalen Arbeitsmarkt
Die Arbeitslosenrate in der Region Wels (Wels und Bezirk Wels-Land) betrug mit Stichtag 31. Jänner 2021 bei 9,6 Prozent und lag damit über dem Oberösterreich-Wert von 7,6 Prozent. In absoluten Zahlen waren 6.183 Menschen ohne Beschäftigung, das sind um 1.265 mehr als im Vergleich zum Vorjahresmonat (+25,7 Prozent).
Dem gegenüber stehen nach wie vor 57.988 Beschäftigte, das sind um 462 weniger als im Vorjahresmonat (-0,8 Prozent). Offene Stellen gibt es in Wels und Wels-Land aktuell 2.088. Den 87 offenen Lehrstellen stehen 117 Jugendliche gegenüber, die eine Lehrstelle suchen.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Lage insbesondere durch die geplanten Öffnungsschritte in den nächsten Monaten entspannen wird. Die Corona-bedingt gestiegenen Arbeitslosenzahlen dürfen außerdem nicht darüber hinweg täuschen, dass die heimischen Unternehmen nach wie vor einen massiven Fachkräftebedarf haben“.
Qualifizierung ist Gebot der Stunde
„Für die Arbeitnehmer ist gerade jetzt in der Zeit der höheren Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit der ideale Zeitpunkt zur weiteren Qualifizierung. Daher haben wir in der Vorwoche auch den historisch größten ‚Pakt für Arbeit & Qualifizierung‘ für Oberösterreich unterzeichnet.
Damit wollen wir einen massiven Qualifizierungsschub erzeugen, um einerseits Menschen, die arbeitslos sind, rasch wieder in Beschäftigung zu bringen und um anderseits den Unternehmen jene Fachkräfte zur Verfügung stellen zu können, die sie dringend benötigen.

Mit Fördermitteln in der Höhe von 342 Mio. Euro, das sind fast 100 Mio. Euro mehr als im Vorjahr, können wir heuer so viele Menschen wie noch nie unterstützen. 102.000 Oberösterreicher werden von Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsmarktinitiativen profitieren“.
Aktuelle Instrumente der oö. Arbeitsmarktpolitik sind
+ Neues Angebot „Bildungskarenz Plus“
+ Förderprogramm „Innovative Skills“
+ Qualifizierungsverbund „Digitale Kompetenz“
+ OÖ. Zukunftsstiftung
Die Stadt Wels zählt zu den aktivsten Städten des Landes und sorgt für zahlreiche Investitionen, die städtische Heimstätte baut gerade an einem Generationenhaus, das ein vorbildliches Zusammenleben von Generationen ermöglichen soll.

Erfreulich hohe Investitionstätigkeit
Dass die Region Wels/Wels-Land auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht, das zeigte die hohe Investitionstätigkeit der regionalen Unternehmen, aber auch die starke Nutzung der Investitionsprämie des Bundes.
In Wels und Wels-Land werden aufgrund der Investitionsprämie des Bundes von den Betrieben in der Region Investitionen in Höhe von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro getätigt (Stand Ende Jänner).

Das bringt der Region Wels und Wels-Land wichtige Impulse, schafft und sichert Arbeitsplätze und sorgt für Wertschöpfung.„Die Investitionsprämie des Bundes geht ins Finale – sie kann noch bis zum 28. Februar beantragt werden.
Doch bereits jetzt übertrifft die Beteiligung von Oberösterreichs Betrieben alle Erwartungen, mit den dadurch ausgelösten Investitionen kratzt unser Bundesland schon an der 10-Milliarden-Euro-Grenze.

Das entspricht in etwa der Summe, die man beim Start der Investitionsprämie für ganz Österreich erwartet hatte.
„Konkret gibt es aktuell bereits mehr als 32.000 Anträge auf eine Investitionsprämie von Unternehmen aus Oberösterreich. Damit werden in Oberösterreich Investitionen von insgesamt mehr als 9,5 Milliarden Euro ausgelöst. Insbesondere auf Initiative von Oberösterreich wurden die Ausschreibungsbedingungen noch weiter verbessert, daher ist zu erwarten, dass jetzt im Finale noch zahlreiche weitere Anträge aus OÖ kommen werden und damit auch die 10-Milliarden-Grenze noch überschritten wird.
Aktuelle Betriebsansiedlungen in Wels & Wels Land
+ Blattfisch e.U.: Das Technische Büro für Gewässerökologie mit Mitarbeitern errichtet einen neuen Standort in Wels Unterleithen.
+ Ensinger TecaRim: Das Unternehmen ist zu Jahresbeginn von Linz nach Wels/Unterleithen übersiedelt. 20 Mitarbeiter produzieren Formteile und Halbzeuge aus Nyrim.
+ Agilox: Die Standortverlegung von Vorchdorf nach Neukirchen bei Lambach ist bereits abgeschlossen, der nächste Erweiterungsschritt ist in Planung.
+ Tecti Group: Auf einer neuen Fläche in Wels/Unterleithen ist die Zusammenlegung von mehreren operativen Tochterfirmen geplant. Die Fertigstellung soll noch heuer erfolgen. Aktuell beschäftigt die Tecti Group ca. 60 Mitarbeiter

+ Luttinger / Loxone Flagshipstore: Die Fa. Luttinger hat den ersten Loxone Flagshipstore in Wels eröffnet.
+ Fronius: Erweiterung am Standort in Sattledt und Steinhaus.
+ öKlo GmbH: Das Unternehmen aus Niederösterreich plant eine zweite Niederlassung in Oberösterreich. Die operative Tätigkeit in Oberösterreich soll in April in Thalheim bei Wels starten.

+ Sikla GmbH: Die Österreich/Osteuropa Zentrale wird von Marchtrenk nach Wels/Unterleithen verlegt. Der Spatenstich ist bereits im Oktober 2020 erfolgt; geplant sind ein Logistikzentrum und ein Bürogebäude.
+ XXXLutz: Erweiterung des Logistikzentrum in Sattledt, der Baubeginn ist bereits erfolgt.
+ Molto Luce: Erweiterung der Produktionsfläche in Weißkirchen an der Traun
+ Buchkirchen: Ein Betriebsbaugebiet von knapp 5ha wurde entwickelt. Das Interesse von den bereits bestehenden Betrieben aus Buchkirchen war sehr groß, die Flächen sind bereits vergeben.
Neben Firmenansiedlungen zählen auch die Infraktrukturo-Verbesserungen vor allem in den Städten für notwendig. Wels zeigt dies unter anderem an der Grün-Sanierung des Kaiser-Josef-Platzes.

Forschung & Entwicklung als Treiber
„Gerade jetzt in der Krise zeigt sich einmal mehr, dass Forschung & Entwicklung Treiber der heimischen Wirtschaft sind. Entscheidend für den Standort ist, dass die Forschungsergebnisse einen schnellen und direkten Weg in die Anwendung finden und rasch in neue Produkte umgesetzt werden.
Wels/Wels-Land zeigt vor, wie diese Brücke von der Wissenschaft in die Wirtschaft perfekt geschlagen wird.
Beispiele der anwendungsorientierten Forschung bei Fronius in Thalheim: Effiziente Interaktion und Unterstützung beim Schweißen: Die Weiterentwicklung der Interaktion zwischen Mensch und Maschine und deren Anwendung in der Schweißtechnik ist ein wichtiger Innovationsbereich. Dabei wird unter anderem an kognitiven Assistenzsystemen geforscht. Diese sollen Fachkräften beim Schweißen effiziente Unterstützung bieten.

So wird gemeinsam mit dem Forschungszentrum Pro2Future aus dem UAR Innovation Network an der Entwicklung eines „kognitiven“ Schweißhelms gearbeitet. Neben der Schutzfunktion für den Schweißer bietet die Kopfbedeckung während des Arbeitsvorgangs alle erforderlichen Informationen sowie detaillierte Anleitungen zu den einzelnen Schritten. Der entwickelte Prototyp wird bereits in der Praxis demonstriert und getestet.
Intelligentes Energie-Netzwerk für Öko-Strom
Gemeinsam mit dem Software Competence Center Hagenberg (SCCH) wird an einem intelligenten Energie-Netzwerk zur optimalen Nutzung von Öko-Strom geforscht. In Zukunft sollen zahlreiche private Energieerzeuger mittels PV-Anlagen, Wärmepumpen, E-Boiler und Elektroauto-Batterien sowie Energieanbieter zu einem intelligenten Energie-Netzwerk zusammengeschlossen werden können.
Eine solche Plattform bedarf einer intelligenten Steuerung und braucht entsprechende, optimierte Speichersysteme bzw. -batterien.
Metallbauteile aus dem 3D-Drucker
Fronius befasst sich seit einigen Jahren auch intensiv mit dem Thema additive Fertigung bzw. 3D-Druck. Im Bereich des Schweißens spricht man hier von „Wire Arc Additive Manufacturing“ – kurz WAAM. An dem neuen COMET-Projekt „We3D“ unter der Konsortialführung von LKR –Leichtmetall-Kompetenzzentrum Ranshofen aus dem UAR Innovation Network ist das Unternehmen daher als Firmenpartner an der Forschungsarbeit beteiligt, um diese neue Technologie für weitere Anwendungsfälle in der industriellen Praxis anwendbar zu machen.
WAAM gilt als künftige Schlüsseltechnologie in der Fertigung komplizierter Geometrien mit höchsten Anforderungen an Stabilität in Losgröße 1 bis Kleinserie.
Elektroauto als flexibler Stromspeicher
Im Kooperationsprojekt „Tiny Power Box“ verfolgt Silicon Austria Labs das Ziel, richtungsweisende Komponenten für Leistungselektroniksysteme zu entwickeln. Dadurch sollen E-Autos oder Industrieanlagen mittels kompakter „Onboard-Charger“ rasch und effizient geladen werden.
Projektpartner sind fünf Leitbetriebe in Kärnten, der Steiermark und OÖ (Fronius International).

Module für viele Einsatzzwecke
Fronius und BRP-Rotax gemeinsam mit RIC (Regionales Innovations Centrum) GmbH (Gunskirchen): Im Rahmen eines Leitprojekts (MMAssist II) beschäftigt sich PROFACTOR mit der Entwicklung von modularen Assistenzsystemen, die in unterschiedlichen Produktionsschritten flexibel eingesetzt werden können, um die Fachkräfte bestmöglich zu unterstützten.
Dabei geht es darum, den Menschen einerseits monotone sowie belastende Arbeiten abzunehmen und ihnen zudem zu helfen, die immer größer werdende Variantenvielfalt zu bewältigen. Auf Basis einer umfassenden Analyse der Anforderungen werden sogenannte „Assistenz Units“ erarbeitet –modulare Grundbausteine für Assistenzsysteme.

Mehrere Assistenz Units sollen dann mittels eines Software Frameworks flexibel zu einem Assistenzsystem zusammengespannt werden können. Über 20 hochkarätige Partner aus Industrie und Wissenschaft sind bei diesem Projekt mit an Bord.
Autonomer Güterverkehr bei jedem Wetter
BRP-Rotax und RIC (Regionales Innovations Centrum) GmbH (Gunskirchen): Autonomes Fahren muss bei jedem Wetter funktionieren und sicher sein, nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei Regen, Schnee oder Nebel.
Auf einer Teststrecke in Gunskirchen wird in den kommenden drei Jahren der Einsatz eines fahrerlosen Elektrotransporters im öffentlichen Raum getestet, und das bei jeder Witterung.

Dieses Forschungsprojekt wird von der EU mit 2,85 Millionen Euro gefördert. Wo jetzt noch mehrmals täglich ein klassischer LKW verkehrt, soll bis 2023 ein fahrerloser Elektro-Transporter mit Testzulassung unterwegs sein, egal, ob es regnet, schneit, sonnig oder nebelig ist.
Anwendungsorientierte Forschung bei Tiger Coatings
3D-Druck mit Biss -Implantate zum Knochenaufbau: Komplizierte Fälle von Knochenschwund im Kiefer sollen künftig mittels 3D-gedrucken Implantaten behandelt werden können. Das Steyrer Forschungsunternehmen PROFACTOR, Member of UAR Innovation Network, leitet dieses Forschungsprojekt mit insgesamt sechs Partnern – einer davon Tiger Coatings.
Die biokompatiblen, resorbierbaren Implantate für den Knochenaufbau sollen mittels additiver Fertigungstechnologien hergestellt und im Labor erprobt werden. 3D-gedruckte Implantate für den Knochenaufbau im Kiefer bedeuten für Betroffene eine enorme Erleichterung.

Volle Fahrt voraus: Sensoren sind die wachsamen Augen (teil-)autonomer Fahrzeuge. Für eine dreidimensionale Wahrnehmung kommen vorwiegend sogenannte LiDAR-Sensoren (light detection and ranging) zum Einsatz. Bei diesen gibt es für den breiten Einsatz noch Optimierungsbedarf punkto Größe, Energieverbrauch und Produktionskosten.
Hier wird mit der Entwicklung einer neuartigen Pilotlinie unter der Projektleitung von PROFACTOR angesetzt. Die Sensoren sollen sich durch Miniaturgröße, geringen Energieverbrauch und kostengünstige Produktion auszeichnen. Unter den internationalen Industriepartnern finden sich neben Global Playern wie Bosch und Infineon auch Hidden Champions aus Oberösterreich wie Tiger Coatings und ebenfalls die EV Group.
Welser Forschungseinrichtung TCKT 
Das Transfercenter für Kunststofftechnik GmbH (TCKT) aus den UAR Innovation Network ist eine anwendungsorientierte Forschungseinrichtung mit Sitz in Wels.
Die Forschungsarbeit spannt sich über die gesamte Wertschöpfungskette der Kunststofftechnik und beschäftigt sich mit Themengebieten wie Werkstoffcharakterisierung, Materialentwicklung, Verarbeitungstechniken und -prozessen, Composites sowie Recycling.

Wie neu-hochwertige Produkte aus Kunststoffabfällen: Hochkarätige Betriebe aus der heimischen Kunststoffbranche haben sich in dem Forschungsprojekt Circumat – kurz für Circular Materials – zusammengeschlossen, um zu zeigen, dass Kreislaufwirtschaft auch in der Kunststoffbranche erfolgreich funktioniert. Kunststoffabfall ist ein wertvoller Rohstoff, aus dem durch Recycling wieder hochwertige Produkte hergestellt werden können. Das Ziel des Projekts ist 100 %-ige Qualität wie bei Neuware zu schaffen.
Das Projektteam hat sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgestellt und setzt sich aus renommierten Betrieben zusammen: Borealis als Neuwarehersteller, Greiner Packaging als Verpackungsproduzent, LAVU als Abfallsammler und Logistiker, Lindner als Erzeuger von Waschanlagen und Shreddern, Erema als Recyclingmaschinenhersteller und Innplast als Recycler. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Polymerextrusion und Compounding der Johannes Kepler Universität Linz bei den Kunststoffverarbeitungsthemen und der TCKT GmbH, die verschiedene Analysen und Charakterisierungen durchführt.

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