Dienstag, 11. Dezember 2018 

welsWels Stadt | Wirtschaft | 04.12.2018

Vom Sanierer zum weltweiten Erfolgsunternehmer

Pierer nicht nur ein Wels-„Motor“

Eigentlich war das „Heimspiel“ von Stefan Pierer (Bild) bei seinem jüngsten Vortrag am 29. November im Bildungszentrum Puchberg ein eindrucksvoller Motivationsbeitrag für das Unternehmertum. Seine Zuhörer waren allerdings Kollegen im Rahmen des alljährlichen Unternehmer-Abends der Raiffeisenbank Wels.
Aber auch diese Unternehmer wurden in ihrer Tätigkeit bestätigt. Auch wenn es für den „kleinen“ Selbständigen angesichts des undurchsichtigen Steuernetzes und des Vorschriften-Dschungels immer schwieriger wird, der ungewöhnliche Erfolgsweg des in Puchberg - einen „Steinwurf“ vom Schloss wohnenden Erfolgsmanagers - kann positive Emotionen auslösen.
Steirische Wurzeln. Nicht vergessen hat Stefan Pierer, der seit 25. November 62-jährig ist, seine heimatlichen Wurzeln. Der in Bruck an der Mur geborene Steirer wuchs in einem 400-Seelen-Ort namens Etmißl im Hochschwabgebiet auf, der Ort wurde durch die Gemeinde-Zusammenlegung zu einem Ortsteil von Thörl nahe Kapfenberg.
Als der „Steirerbua“ an der Montanuniversität Leoben sein Studium für Betriebs- und Energiewirtschaft abgeschlossen hatte, stand dem jungen Diplomingenieur die Arbeitswelt offen. Australien oder ein Job in Marchtrenk standen in der engeren Auswahl. Als Familienvater mit zwei Söhnen war ihm das Auswandern doch zu problematisch und er entschied sich für den Heizungs- und Lüftungshersteller Hoval in Marchtrenk. 
Und da lernte er gleich das unternehmerische Handwerk in einer schwierigen finanziellen Lage des Arbeitgebers kennen. Als Prokurist gründete er vier Jahre später mit Partner die Beteiligungsgesellschaft Cross Industries und so wurde aus einem Steirer ein Welser, der sich als Sanierer in der Wirtschaft bald einen herausragenden Namen machte, aber viel mit Kritikern und Neidern konfrontiert wurde
. Beim Vortrag in Wels ging es nur um die Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der KTM AG.
Wirtschaftsmotor nicht nur in der Heimat

Für Oberösterreich, Wels und das Innviertel sorgte aber Stefan Pierer mit einem umfangreichen Netzwerk für wirtschaftliche Initiativen, die gar nicht genug positiv bewertet werden können. Als der klassische Erfolgsmanager im Dezember 1991 in der damaligen Krisenregion Innviertel das in Konkurs geratene Motorrad-Unternehmen KTM (1,4 Milliarden Schilling!) in Mattighofen in einer Blitzaktion vor Weihnachten übernahm, wurde der Startschuss für einen ungewöhnlichen Erfolgsweg einer Zweirad-Marke gelegt.
KTM war im Moto-Cross-Bereich schon längst eine große Marke, durch gesundheitliche Probleme des Firmengründers und Managementfehler geriet das Unternehmen aber in eine der schlimmsten Wirtschaftslage der damaligen Zeit. Die Entscheidung sich vom reinen Gelände- auch auf den Straßenrennsport zu konzentrieren, war eine der Erfolgsfaktoren in der jetzt 27-jährigen „Neo“-Geschichte der Weltmarke KTM. Auf zwei Rädern ist KTM sogar auf dem besten Wege den Japanern im Rennsport eine mehr als unangenehme Konkurrenz zu werden.
Heimatgefühle erfreuen auch die Region Wels
Wir kehren zurück zum Vortrag und zu den Bereichen, über die DI Stefan Pierer in einem einstündigen Vortrag gar nicht sprechen konnte. Die Stadt Wels und nun auch Thalheim profitiert von der Beteiligungsgesellschaft Cross Industries AG in einer für Außenstehende kaum bemerkbaren Weise. Das Stadtviertel Lichtenegg – ausgehend von den Gründen des ehemaligen Familienunternehmen Fritsch - hat sich zu einer lokalen Wirtschaftsmetropole entwickelt.
Nicht nur die Zentrale von KTM wurde hier in Wels heimisch, sondern die nun bereits zehn Dienstleistungszentren namens WDZ strahlen dank des ebenfalls angesiedelten Managements der Beteiligungsgesellschaft enorme Wirtschaftskraft aus. Im Umfeld entstehen gerade ein Hotel und ein Ärztezentrum.
Augenscheinlich ist auch das Ansiedeln auf dem ehemaligen Gründen des ehemaligen Autohauses Retzer und Porsche in Thalheim mit dem aus dem Westen von Wels übersiedelten KTM-Shop Braumandl (Bild) und X-bow Autos aus dem Hause KTM.

Neidgesellschaft & Politdemokratie
Erfolgreiche Menschen werden nicht nur beneidet, sondern auch vielfach kritisiert. Die heimische Neidgesellschaft heizt gerne die Gerüchteküche auf. So ging bzw. geht es auch Stefan Pierer, der sich einst als „harter“ Sanierer einen fast schon ungesunden Namen machte. Das Bekenntnis zum Heimatland ist aber ein besonderes Merkmal des Welsers mit steirischen Wurzeln und trägt nicht nur in unserem Umfeld zur noch ungebremsten Wohlstandgesellschaft bei.
Der wirtschaftliche Weitblick des Managers ist auch in unseren filmischen Impressionen vom Vortrag in Puchberg erkennbar. Stefan Pierer beklagt die mangelnde Mobilität der Arbeitskräfte in unserem Land, gesuchte Spitzenkräfte muss man auch ein entsprechendes Umfeld bieten, so ist zum Beispiel das Entwicklungszentrum von KTM in Salzburg angesiedelt.

Eigenes Volk. „Die Innviertler sind eher Richtung Bayern ausgerichtet, aber fleißig und ehrgeizig. Wir setzen vor allem auf die duale Ausbildung, unsere Lehrlinge bekommen nach einem erfolgreichen Abschluss ein KTM-Produkt geschenkt. Besonders nachteilig ist unser Steuersystem, die Mitarbeiter müssten mehr Netto vom teuren Bruttolohn erhalten. Wohnungen für Mitarbeiter sind nur bis 30 qm steuerfrei. Solche Wohnungen bauen wir zum Beispiel jetzt auch in Thalheim.“
Während die einmalige Förderung von Stefan Pierer für das Team Kurz in der Vorwahlzeit („Ich verdopple jede private Parteispende“) auch für den Initiator ungeahnte Höhen erreichte (über 430.000 Euro), schlug die politische Konkurrenz mit einem Steuerakt-Einblick zurück. Diese strafbare Handlung blieb offensichtlich ungesühnt, doch die geringe Steuerleistung des Unternehmers ist auf die bestehenden Steuergesetze zurückzuführen. Dabei wird aber „natürlich“ nicht auf die enorme Wertschöpfung dank der Erfolgsunternehmen verwiesen. Bild. Elektromobilität, die auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann und bereits ist: Geländemaschinen für Jung und Alt.

Hoval gab Startschuss für Energiesparmesse Wels
Während Stefan Pierer bei Hoval tätig war, sorgte das Unternehmen indirekt für die wirtschaftliche Rettung der Welser Messe bei. Als der damalige Messedirektor Prummer gleichzeitig mit Wolfgang Neumann in Gmunden eine Energiesparmesse starten wollte, da griff Hoval ein: „Wenn beide Messen stattfinden, dann sind wir bei keiner dabei.“
Ab 1991 Energiesparmesse in Wels. Da kam der Messedirektor mit der Idee, Neumann sollte seine Energiesparmesse auf Welser Messeboden veranstalten. Damit war nicht nur die Energiesparmesse Initiator für den eigenen Erfolgsweg des Messegründers, sondern auch für die dann ausgegliederte eigene Messegesellschaft Messe Wels.

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