Mittwoch, 12. August 2020 

welsWels Stadt | Wirtschaft | 12.10.2012

Eine beidseitig glückliche Wirtschafts-Verbindung

„Liaison“ Trodat & Stadt Wels

Vor 61 Jahren (!) fiel eine für Wels erfreuliche unternehmerische Entscheidung: Walter Just übersiedelte 1951 seine Stempelfirma von Wien nach Wels. Es sollte die beste und wichtigste unternehmerische Entscheidung in der bisherigen Unternehmensgeschichte werden. So bilden der heutige Weltmarktführer am Stempelmarkt Trodat und der Standort Wels eine beidseitig glückliche  Verbindung.
Trodat ist heute einer der größten privaten Arbeitgeber in Wels, mit dem lebensspuren.museum bereichert die Familie Just die Stadt auch um eine kulturelle Institution. Das intern. beachtete Wagner-Festival ist ebenfalls ein „Liebkind“ der Familie, was leider nur mit dem Kleinstadtdenken in der Stadtpolitik offensichtlich nicht in Einklang zu bringen ist.
Warum wurde Wels Firmenstandort?
Eine schwere Kriegsverletzung 1941, die Walter Just allerdings auch vor dem Tod an der Front beschützte, ermöglichte ihm aber auch ein verspätetes Welthandel-Studium und die Übernahme der Firma seines Vaters Franz, der 1912 in Wien mit der Gummistempel-Herstellung begonnen hatte.       
Mit den vor Kriegsende in Sicherheit gebrachten Waren und Materialien zur Stempelproduktion suchte Walter Just nach einem geeigneten Standort außerhalb der russischen Besatzungszone. Fast wäre die Entscheidung für den neuen Standort in Schwanenstadt gefallen. Doch schließlich wurde es Wels und die Grundstücke an der Linzer Straße. Entscheidend dabei auch der Bahnknotenpunkt, das Zollamt und die vorhandenen Speditionen.
Tausende Autofahrer, die heute an dem langgestreckten Firmengebäude vorbeifahren, ahnen gar nicht was sich hinter der jetzigen Leuchtfassade für großartige technische Entwicklung verbirgt. Hier werden auf höchstem technischem Niveau jene Stempelprodukte fabriziert, die den Weltmarkt längst erobert haben und in mehr als 150 Ländern der Welt für einfaches sowie sauberes stempeln sorgen. 
Trodat ist ein Original…
…und das auch die nächsten 100 Jahre!
Der Weltmarktführer im Stempelbereich feierte exakt am 1. Oktober 2012 sein 100jähriges Firmenjubiläum und ist heute bereits in mehr als 150 Ländern präsent. Auf diesem Weg zur Marktführerschaft legte der technische Vorsprung die Basis, aber erst die besondere Kreativität und Systematik im Vertrieb brachten den globalen Erfolg. Der optimistische Ausblick in die Zukunft ist auch für den Standort der Zentrale in Wels äußerst positiv.
Während der Trodat Holding Konzern Jahresumsatz 2009 noch bei 116 Mio. Euro lag, so will das Unternehmen bis 2020 den Umsatz bis auf 300 Mio. Euro (!) steigern. Der Stempelmarkt wächst weltweit weiterhin kräftig, alleine in China benötigen Firmen vier verschiedene Stempeln. Und dort entstehen (für uns fast unvorstellbar) täglich bis zu 30.000 neue Firmen.   
Der Erfolgsweg hat aber auch eine besondere Grundlage: Der Respekt, mit dem Trodat auf andere Kulturen und Märkte zugeht, ist einzigartig. In einer multikulturellen und globalisierten Welt von heute wird Trodat weiter die Technik des Kennzeichnens und Markierens prägen und die entscheidenden Akzente am Stempelmarkt setzen – auch die nächsten 100 Jahre!
Trodat fühlt sich als Unternehmen dem Heute und dem Morgen verpflichtet, daher wurde das Jubiläum bewusst unter das Motto „Trodat Next 100 Years“ gesetzt. Markus Würcher, Managing Direktor: „Trodat ist das Paradebeispiel einer erstaunlichen Transformation vom traditionellen Familienunternehmen zum Global Player, ohne seine ausgeprägte Familienkultur aufzugeben“.
Im Bild. Ein gelungenes Plakat mit der Entwicklungsgeschichte. - Kurt Guggenbichler ist der Verfasser eines Buches über den erfolgreichen Unternehmer Walter Just. Das interessante Taschenbuch dokumentiert die Firmengeschichte in Wort und Bild.
Pioniertage und unternehmerische Eigenständigkeit
Schon Unternehmensgründer Franz Just hat eines der Erfolgsmuster, das bei Trodat nun schon durch 100 Jahre wirkt, grundgelegt. Der Handelsvertreter für Gummistempel machte sich 1912 als Gummistempel-Hersteller selbstständig. Bereits 1936 erwarb Franz Just eine alteingesessene Stempelwarenfabrik (Hammer & Co GmbH in Wien) samt Inventar. Damit hatte er erstmals Produktentwicklung und Produktion in einer Hand.
Neues Drehmoment nach 1945
Die Voraussetzungen für jenes Wachstum, das seit dem Wiederaufbau einen weltumspannenden Konzern entstehen ließ, schuf Gründersohn Walter Just. Der Techniker und Absolvent des Welthandelsstudiums rettete die Substanz des Unternehmens während der letzten Kriegswirren. 
Die Einzelfirma des Vaters wurde 1944 in die Offene Handelsgesellschaft Franz Just & Söhne umgewandelt. Die marktwirtschaftliche Zukunft sah Walter Just in einem Standortwechsel in die US-amerikanische Besatzungszone. Dadurch wurde Wels 1951 zum neuen Firmenstandort.
Ein Name wird Programm
Die Jahre zwischen 1960 und 1976 wurden zum Laboratorium der Neuausrichtung. 1960 meldete Walter Just die Produktmarkte an. Trodat setzt sich aus den Silben Tro und Dat zusammen. Tro steht für Trolitul – ein Kunststoff, der früher zur Stempelerzeugung verwendet wurde – und dat als Abkürzung von Datumstempel. 
Acht Jahre später waren die Produkte so erfolgreich, dass Trodat den bisherigen Firmennamen ersetzt. Dem ging voraus, dass Trodat schon in den 1960er Jahren begann, sich weitgehend von Lieferanten unabhängig zu machen, so zum Beispiel bei der Erstellung von Gummimischungen aus eigener Produktion.
Die Stempelrevolution 1976
Mit der Innovation des Kunststoff-Selbstfärbestempels Printy 1 traf Trodat ab 1976 den Nerv der Zeit. Die neue Selbstfärber-Linie fand so gute Resonanz am Markt, dass sie die einfachen handfärbenden Datum- und Ziffernstempel verdrängte. Für Trodat hatte das weitreichende Konsequenzen. Der Printy wird zum Massenprodukt.
Es war notwendig, von der bisherigen Handmontage abzugehen und vollautomatische Montagestraßen zu errichten. Auch in den Köpfen der Anwender hatte der Printy 1 eine Revolution ausgelöst. Sie erkannten rasch, dass das integrierte Stempelkissen Platz und Zeit spart. Mit dieser Innovation des Kunststoff-Selbstfärbers schaffte Trodat ein neues Marktsegment und sicherte sich dadurch die Weltmarktführerschaft. Der Printy 1 und seine Nachkommen verkauften sich bis heute millionenfach.
Vielfältige Produktwelt
Neben dem Trodat Professional, dem klassischen Büroprofi, ist es der erste klimaneutrale Stempel der Welt Printy 4.0, der den Erfolg und das Image des Unternehmens bestimmt. Die Produktwelt ist vielfältig, kräftige Akzente setzt Trodat mit seiner Tochter Trotec, die seit 1997 kontinuierlich wächst. Trotec setzt auf die gebündelte Energie der Laser-Technologie für die Gravur von Stempeltextplatten. Eine Innovation, die die Individualisierungs-Möglichkeiten im Stempeleinsatz deutlich erhöht hat.
Mehr Farbe ins Leben bringen Trodat und Trotec mit ihrer weltweit einzigartigen und patentierten Multicolor-Impression-Technologie. Diese individuellen Mehrfarbstempel sind heute sowohl im Business als auch im Privatleben der Anwender nicht mehr wegzudenken. 
Geschäftsführerin Alexandra Kutos (links) vertritt in der Holding die Gründerfamilie, seit elf Jahren setzt Geschäftsführer Ing. Mag. Michael Peduzzi (rechts) Akzente für die Zukunftsentwicklung.
Eine stolze Erfolgsgeschichte
+ Trodat Holding Konzern. Im Geschäftsjahr 2011 wurde ein Umsatz von 1371,1 Mio Euro (+ 6 %  gegenüber 2010) mit insgesamt rund 1070 Mitarbeiter weltweit erzielt. Die Exportquote beträgt dabei rund 98 bis 99 Prozent.
+ Trodat ist Weltmarkführer auf dem Stempelmarkt und in 150 Ländern der Welt vertreten. Bei Trodat lässt sich Nachhaltigkeit und sorgsamer Umgang mit Ressourcen bis in das Jahr 1961 zurückverfolgen.
+ Trodat ist es bereits vor 36 Jahren (1976) gelungen mit der Innovation des ersten Printy und seinen drei Nachfolgemodellen den Stempelmarkt zu revolutionieren.+ Trodat produziert mit dem Original Printy 4.0 den ersten serienmäßig klimaneutralen Stempel der Welt,
+ Trotec, heute Technologieführer bei Laserplottern für Stempelhersteller, Graveure und Schildermacher, ist ursprünglich aus einer reinen Stempelanwendung entstanden. Exakt zum 100-Jahr-Jubiläum erfolgte der Spatenstich zur Erweiterung des Standortes in Marchtrenk. Siehe B
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