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welsWels Stadt | Geschehen | 02.10.2008

Bei Gewalt an Kindern kompetente Hilfe nötig

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Bereits vor zehn Jahren (!) wurden die Krankenanstalten gesetzlich verpflichtet, Kinderschutzgruppen zu installieren. Das Klinikum Wels setzt in enger Zusammenarbeit mit der Jugendwohlfahrt auf Schutz für die Kinder und Unterstützung der Eltern. Anzeigen sind nur im Notfall notwendig und nützlich. OA Dr. Christoph Offenberger und Maria Pfennich (Bild) berichten über ihre Erfahrungen. Dazu unser Videobeitrag. 
Das Klinikum Wels nahm unter der Leitung von OA Dr. Christoph Offenberger gleich eine Vorreiterrolle in Österreich ein. Mit der Fusion der Krankenanstalten Wels und Grieskirchen wurde die Kinderschutzgruppe erweitert. „Die Mitglieder, die interdisziplinär über mehrere Fachgebiete zusammenarbeiten, haben sich zum Ziel gesetzt, Gewalt an Kindern und Jugendlichen in der gesamten Region Zentralraum Wels, Grieskirchen und Eferding zu lindern beziehungsweise vorzubeugen!“ unterstreicht Mag. Raimund Kaplinger, Sprecher der Geschäftsführung.
„Kindesmisshandlung war früher eine der Haupt-Todesursachen im Kindesalter. Diese Thematik wurde aber erst in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Wir wollen mit unserer Kinder- und Jugendschutzgruppe einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Kinder zu schützen!“ so Prim. Dr. Franz Eitelberger, Leiter der Abteilung für Kinder-Jugendheilkunde I im Klinikum Wels-Grieskirchen.
„Mit der Erweiterung auf die Region Grieskirchen und Eferding können wir nicht nur einen wesentlichen Beitrag für die gesamte Region leisten, sondern auch Fälle aufzudecken, die zuvor durch häufigen Krankenhauswechsel untergegangen sind“, so Prim. Dr. Alois Gruber, Leitung Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde II in Grieskirchen.
„Kinder wissen oft nicht, wie ihnen geschieht. Wenn es um Missbrauch oder Gewalt gegen Kinder geht, tritt die Jugendwohlfahrt für die Interessen der Kinder und Jugendlichen ein. Akute Gefährdungssituationen fordern eine geplante, eingeübte Interventionspraxis seitens der Jugendwohlfahrt. Wir versuchen im Einvernehmen mit den Eltern, in Einzelfällen aber auch gegen deren Willen, die Entwicklung und Zukunftschancen zu sichern!“ so Maria Pfennich (Bild), Leiterin der Jugendwohlfahrt der Stadt Wels.  
Zehn Jahre Kinderschutzgruppe Wels 
Seit dem Jahr 1999 dokumentiert die Kinderschutzgruppe am Klinikum alle gemeldeten Verdachtsfälle. Aus diesen Zahlen können statistische Rückschlüsse gezogen werden. Insgesamt wurden bis 2007 insgesamt 168 Fälle der Kinderschutzgruppe gemeldet und von dieser bearbeitet. Regstriert wurden Misshandlung (76 Fälle), Missbrauch (47 Fälle) und Vernachlässigung (45 Fälle). Rund 60 % der Fälle betrafen Mädchen, 40 % Knaben.
Nur 16 der 168 Fälle mussten von der Kinderschutzgruppe zur Anzeige gebracht, für einen Großteil der Kinder (61) wurde gemeinsam mit dem Kinderschutzzentrum Tandem, der Jugendwohlfahrt oder dem Frauenhaus eine geeignete Lösung gesucht, wie zum Beispiel ein Pflegeplatz.
„Äußerlich sichtbare Verletzungen sind die erschreckenden Beweise für Missbrauch. Leider müssen wir auch feststellen, dass Kindesmisshandlung zugenommen hat! Auch in der Altersstruktur der misshandelten Kinder hat sich einiges verändert. Die Anzahl der Kinder, die bereits im Säuglingsalter misshandelt werden, sind deutlich gestiegen. Auch die Fälle der Vernachlässigung nimmt stark zu. Überforderung der Eltern, unterschiedliche Erziehungsmaßnahmen und Kulturkreise, zu wenig Zeit oder auch zerrüttete Familienverhältnisse sind nur ein Erklärungsversuch“,
OA Dr. Christoph Offenberger (Bild).
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