Mittwoch, 17. Oktober 2018 

welsWels Stadt | Geschehen | 01.10.2018

Als Bürgermeister prägte er lange die Stadtgeschichte

Der Abschied von Karl Bregartner

KARL BREGARTNER (ein Bild aus seinen besten Jahren) hat in Wels während seiner Zeit als Bürgermeister zahlreiche positive Spuren hinterlassen. Seine Wirtschaftskompetenz sorgte in der Stadt für viele Initiativen, seine Verdienste sind zumindest in den Stadtannalen unvergessen. Als Nachfolger von Leopold Spitzer führte er von 1982 bis 1999 die Stadtgeschäfte an. Am 8. Oktober gab es im Gemeinderat eine Trauerfeier für ihren im 85. Lebensjahr verstorbenen Ehrenbürger. Am 9. Oktober fand das Begräbnis statt.
Am 20. September besuchte Bregartner noch die Eröffnung der Rettermesse, wo ihn Helmut Moser bezüglich des HandaufsHerz-Rekordversuchs interviewen ließ. Dabei ging ihm sein Herz noch auf und er sprudelte minutenlang ins Mikrofon, bis ihn Moser unterbrechen musste.
Der Altbürgermeister war ungewohnt in der Messehalle 20 mit einem Stock unterwegs und suchte – wie in seiner Pensionszeit gewohnt – Gesprächspartner. Dabei betonte er wie glücklich er über seine Lebensrettung 1999 war und er noch gerne einige Zeit leben möchte. Ein Herzinfarkt beendete allerdings einige Tage später sein Leben.
So mancher störte sich an seinem allgemeinen Händeschütteln, denn zugleich blickte er schon zumindest zwei Personen weiter. Unverbindliche Gespräche mit ihm zu führen war nicht einfach, denn er antwortete höchstens auf Fragen und nicht mehr. Erst nach seinem aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Rücktritt suchte er von sich aus das Gespräch. So zählte der weißhaarige Karl zu den fast täglich in der Stadt befindlichen Passanten.

„Braune Flecken“ als Gegnerschaft
Ein Hauptproblem von Karl Bregartner in der Zeit seines Bürgermeisteramtes waren die sogenannten „braunen Flecken“, die besonders Jungsozialisten der Stadt immer wieder hervorkramten. Zuerst waren es die sogenannten Glasenbacher Treffen, die ehemalige Wehrmachts-Führungskräfte in der Stadt abhielten. Zu den Gegen-Aktivisten gehörte einst Hermann Wimmer, der sogar einmals mit persönlichem körperlichen Einsatz (in der ehemaligen "Kaiserkrone") eine Zusammenkunft verhindern wollte.
Der engagierte Jungsozialist sorgte auch für entsprechende Schlagzeilen und Kritik in den Medien. Der Bürgermeister brachte die Gegnerschaft dadurch zum Schweigen, dass Hermann Wimmer ein Job im Magistrat angeboten wurde. Damit begann der berufliche Erfolgsweg des heutigen Messe-Präsidenten, der neben seinem Job auch ein Jus-Studium begann.
Bürgermeister-Schutz. Schließlich wurde der später als „eiserner Hermann“ benannte Magistrats-Mitarbeiter auch Sekretär von Karl Bregartner und beendete die zuvor so zahlreichen angemeldeten Termine beim Bürgermeister mit einer schroffen Einteilung – um welches Thema ging es? Aha, da ist der oder der zuständig. Und „sein“ Bürgermeister hatte plötzlich sozusagen nur noch wichtige Gesprächspartner in seinem Büro.

Was man Karl Bregartner neben seinem Wirtschaftsdenken besonders positiv anrechnen konnte, war sein Bekenntnis zur Stadt und seinen Menschen. Und er ließ sich von den Beschuldigungen bezüglich der Nazi-Vergangenheit in der Stadt nicht beirren. Auch nicht als ein Foto (siehe Bild) veröffentlicht wurde, wo Karl Bregartner bei den Neumayers am Tisch mit Unternehmer Robert Wimmer (Bild Mitte), einem bekennenden Nationalisten, zu sehen war. Da auch Hermann Wimmer (auf dem Bild „un“-sinnbildlich rechts außen) dabei war, war es wohl kein Treffen mit den genannten negativen Aspekten. 
Archivbilder mit Symbolcharakter
Mitkämpfer vor allem für die positive Entwicklung der Welser Messe war Landesrat Ernst Neuhauser (Mitte), der dann auch mithalf das jahrzehntelange Dauerproblem Westspange zu lösen. Der Prummer-Nachfolger Leitner (links im Bild) als Messedirektor sorgte allerdings für einige Flopps.
Politischer Hauptgegner von Karl Bregartner war VP-Obmann und Vizebürgermeister Wigelbeyer (links im Faschings-Bild), der schon zu Zeiten von Spitzer via der einstigen Wochenzeitung „Welser Zeitung“ mit Skandalgeschichten mit dem Bürgermeistersessel spekulierte. Es wurde aber nur ein mediales Gewitter, Wigelbeyer zog sich später ganz zurück und starb auch erst kürzlich.
Wenig Freude hat Karl Bregartner mit FP-Obmann Wieser (Bild), der vor allem bei den Gemeinderats-Sitzungen mit kritischen Reden brillierte. Schließlich überraschte der FP-Spitzenkandidat als Koits-Gegner mit einem kaum erwarteten Wahlerfolg, der sogar für eine Stichwahl sorgte. Der regierende Bürgermeister musste angesichts des harten Zweikampfs erst von Landesrat Ackerl überzeugt werden den Job nicht freiwillig zu beenden.
Hoppalas. Karl Bregartner sorgte allerdings auch für Seitenblick-Geschichten, in denen immer wieder Frauen als „Beraterinnen“ in privaten Angelegenheiten auftauchten. So manche Kronprinzessin schaffte es aber nicht den Ehemann offiziell zu einer Trennung zu bewegen. Besonders Magistratsintern brodelte es in der Gerüchteküche.
Viel Freude hatte Wirtschaftsexperte Karl Bregartner mit erfolgreichen Wirtschaftstreibenden. Einer der wohl erfolgreichsten Unternehmer war dabei Gunter Fronius (Foto), der 1945 als Flüchtling nach Oberösterreich kam und innerhalb weniger Jahrzehnte aus der Firma Fronius ein Weltunternehmen entwickelte. Fronius siedelte sich schließlich in Thalheim an und nützte auch das Firmengelände der ehemaligen Firma Epple in Wels für die Weiterentwicklung des Unternehmens.
Für Sorgenfalten bei Bregartner sorgte vor allem in Messezeiten der Solo-Auftritt von Jörg Haider (Bild), der nie bei Eröffnungen, sondern immer an anderen Tagen bei Messeständen auftauchte und die Aussteller mit Fragen und Diskussionen überraschte. Der Oberösterreicher wurde auch als Hauptkonkurrent für die regierende Politkaste erkannt und bald als Gefahr für die Demokratie speziell via Medien verunglimpft. Sein Unglückstod lässt so manche Vermutung offen...

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