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welsÜberregionales | Geschehen | 24.07.2010

Loveparade-Tragödie in Duisburg im Mittelpunkt

YouTube wurde „Psycho-Doktor“

Das Internet spielt eine entscheidende Rolle in der Aufarbeitung der Katastrophe der Duisburger Loveparade am 24. Juli, zu der sich zwischen 500.000 und 1,4 Millionen Besucher einfanden. Abgesehen von den grotesken verschiedenen Angaben: Die Panik auf der Techno-Party, bei der bisher 19 Menschen starben und rund 500 verletzt wurden, sorgte auf der Videoplattform YouTube am nächsten Tag für viele Amateurvideos von Augenzeugen.
Die Schreckenssekunden im sog. Todestunnel oder außerhalb davon per Handykamera dokumentieren http://www.youtube.com/results?search_query=loveparade+duisburg
Hunderte Videos von Augenzeugen im Web
„Die hochgeladenen Videos haben eine wichtige psychologische Funktion“, erklärte Bernhard Schlag, Verkehrspsychologe. „Die Katastrophe hat viele Partybesucher traumatisiert. Über die Videoblogs gelingt es ihnen, Gemeinschaft zu finden und so das Erlebte aufzuarbeiten." Schlag rät, das Geschehen mit Menschen im Nahbereich zu besprechen, um in Zukunft derartigen Situationen möglichst aus dem Weg zu gehen.
Mini-Vergleich mit AC/DC-Konzert in Wels
Die Politik in Duisburg setzte aus Imagegründen auf Risiko. Die ersten Konsequenzen der Katastrophe sprechen von künftiger Absagen solcher Loveparaden. Der Verkehrspsychologe sieht das Geschehene als Zeichen, dass die Behörden immer mehr den Geschäfts- und Darstellungsabsichten nachgeben.
„Die Politiker hatten Angst, dass nach der Absage der Bochumer Loveparade im Vorjahr die Veranstaltung nicht wieder ins Ruhrgebiet kommen würde.“ Der Schaden ist nun jedoch ungleich größer als der befürchtete Imageverlust.
Für Massenveranstaltungen allgemein sieht Bernhard Schlag keinen Bedarf strikterer Regelungen. „Die Regeln sind schon heute vorhanden, doch wurden in vielerlei Hinsicht missachtet. Bevor es zu einer Panik kommt, läuft schon vieles im Vorfeld schief. Zu den in Duisburg begangenen Todsünden gehört etwa, dass die Veranstalter die Menschenmassen aufeinander zuführten und sich kreuzen oder gegeneinander scheren ließen“, so der Experte.
Wels versäumte Druck auf Veranstalter
Die Stadt Wels hatte vorerst viel Medienschelte hinzunehmen, obwohl der Veranstalter des AC/DC-Konzerts zuerst die Karten verkauften und dann mit dem Bewilligungsansuchen die Stadt gehörig unter Druck setzte. Anstatt diese Chance zu nützen und eine entsprechende Pauschal-Abschlagszahlung für die Abhaltung des Konzertes zu verlangen, versuchte man alles um nur ja keine Absage zu provozieren. Wäre es in Wels zu einer Panik gekommen – da wären zu Unrecht die zuständigen Behörden in den Mittelpunkt der Kritik gerückt.
Die Schuldigen wären aber auch hier die Politiker gewesen. Glücklicherweise waren die Behörden besser als ihr vielfacher Ruf. Wels war auf den Ansturm vorbereitet und selbst dem Hagelgewitter war man durch rechtzeitiges Auftreten der erwarteten „Superstars“ entgegengetreten. Wels hatte Glück und sollte bei einem ähnlichen Vorhaben mit mehr Selbstvertrauen den Millionengeschäften von Veranstaltern entgegentreten.

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