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welsÜberregionales | Geschehen | 24.05.2010

Unnötige Aufreger durch Klagen und Übertreibungen

Der falsche Weg der Naturschützer

Die Umweltanwaltschaft verwies im Zusammenhang mit dem AC/DC-Konzert auf den Naturschutz, sorgte aber auch im ORF-Beitrag vom Pfingstsonntag für eine völlig falsche Darstellung: Das Gelände sei für ein Jahr zerstört und damit auch der Naturschutz quasi mit Füßen getreten worden.
Übertreibungen. Doch man sollte bei der Realität bleiben, besonders bei der Darstellung der Größe des Flugplatz-Geländes (100 ha) und des Konzertgeländes, das nicht einmal ein Zehntel der Fläche benötigte!
Das Bild aus dem Google (unten) und die im Stadtplan (oben) eingezeichnete dunkelrote Fläche, die für das Konzert benötigt wurde, zeigen die Realität. Gerade das genützte Gelände entlang der Ausrollbahn des Flugplatzes ist die Aufregung nicht wert. Der grüne Bereich zeigt das Panzerübungsgelände. 
Besonderheiten des Flugplatzgeländes Wels
Daher sind die Naturschützer mit Übertreibungen und Drohungen von Klagen auf dem „Holzweg“. Wir wollen hier aber auch die Argumente bezüglich bedeutendem Lebensraum für seltene Vogel- und Insektenarten öffentlich machen:
Weder in Bayern noch in Niederösterreich gibt es ein vergleichbar großes zusammenhängendes Magerwiesengebiet. Die Hälfte (!) aller Magerwiesenflächen im gesamten OÖ. Alpenvorland befindet sich auf dem Gelände des Flugplatzes Wels, der letzte Rest der einstmals großflächigen Welser Heide.
Da das Gelände seit zehn Jahren nicht mehr gedüngt wird, kehrt die Flora der einst weitläufigen Welser Heide wieder zurück und bietet verschiedenen Wiesenbrütern die Chance, ihre Jungen groß zu ziehen. Sind in der Morgendämmerung und am Abend die verschiedenen Arten regelmäßig auf den Pisten zu beobachten, so meiden sie diese während des Flugbetriebes.
Der Große Brachvogel besiedelte 1997 das Flughafengelände. 2007 brüteten mindestens 6 Paare. Außerdem brüten mindestens 50 Kiebitz-Paare. Vom Frühjahr bis in den Sommer können Pullis (Jungvögel) verschiedenen Alters festgestellt werden. Das in OÖ stark gefährdete Schwarzkehlchen brütet regelmäßig hier in geringer Dichte.
Die noch weit verbreitete Feldlerche kommt hier in einer so hohen Dichte vor. Ihr Gesang bietet auf dem Gelände eine Geräuschkulisse wie auf Wiesen vor hundert Jahren. Das durch Intensivierung der Landwirtschaft vielfach selten gewordene Rebhuhn ist hier ebenfalls in großer Anzahl zu finden. An die 20 Reviere und mindestens 15 Brutpaare zeichnen das Flugplatz-Gelände als schützenswerten Lebensraum aus.
Steinschmätzer, Schafstelze und Grauammer konnten als weitere Besonderheiten hier festgestellt werden. Die letzteren beiden Arten sind in Oberösterreich vom Aussterben bedroht.
Das Flughafengelände sowie das daran angrenzende Panzerübungsgelände sind ein Lebensraum für die stark bedrohte Wechselkröte, die flache und unbeschattete Laichgewässer benötigt.
Weitere Neufunde für Oberösterreich sind hier gelungen. Zudem konnten eine Reihe von Insektenarten festgestellt werden, die seit 50, 80 und mehr Jahren in OÖ nicht mehr gefunden wurden. Die Insektenfauna ist aber bisher nur ansatzweise untersucht.
Die Steppen-Furchenbiene, eine Wildbienenart, konnte auch auf diesem Gelände festgestellt werden - ein Wiederfund für OÖ nach 57 Jahren. Ebenfalls ein Wiederfund nach über 50 Jahren stellt die Kurzstiel-Sandwespe dar. Besonders überraschend war der Fund einer für die Wissenschaft bisher unbekannten Schlupfwespenart.
Besonders Wiesen und Pflanzen. Auf dem Gelände befinden sich jetzt großflächige Salbei-Glatthaferwiesen, Kalk-Halbtrockenrasen und Furchenschwingel-Wiesen. Viele auf der Welser Heide heute schon seltene Pflanzenarten, wie Karthäusernelke, Wiesen-Salbei und Wundklee kommen hier in großer Anzahl vor. Im Sommer 2009 konnte hier eine für OÖ ausgestorben geglaubte Pflanzenart, der Liegende Ehrenpreis, wiederentdeckt werden.
Die Qualität der Wiesen wird bei Beibehaltung der derzeitigen Nutzung bzw. Pflege noch zunehmen. Insgesamt befinden sich hier etwa 70 ha magere Wiesen.
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