Freitag, 18. September 2020 

welsÜberregionales | Kommentar | 29.04.2020

Das Politiker-Aber: „Wir lernen jeden Tag dazu“

"Wir haben alles richtig gemacht"

In einem OÖN-Bericht vom 29. April zeigen sich die Nebeneffekte der sechswöchigen Angstparolen, die nicht nur eine schwere Wirtschaftskrise mit unabsehbaren Folgen ausgelöst haben, sondern auch die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung geschadet haben.
Profunde Fachärzte hatten schon zu Beginn der Krise vor diesen Folgen gewarnt, wurden aber vor allem vom Staatsfunk namens ORF nicht einmal respektiert und von der Politik manchmal sogar als Scharlatane abqualifiziert.

Intensivmediziner, die in den Krankenanstalten auf die Virusgeschädigten vorbereitet waren und alles andere zurückstellen mussten, wunderten sich über die zwar angekündigten, aber nicht eingetroffenen vielen schweren Krankheitsfälle. Schließlich machten sie sich aber auch Sorgen über den plötzlichen Rückgang der schweren „normalen“ Fälle (Herzinfarkte, Krebserkranke, Diabetisfälle etc.). Diese Sorgen gingen bei den täglichen Horrorzahlen auch medial völlig unter.
OÖN-Bericht über leere Arztpraxen:
"Die Patienten fürchten sich, zum Doktor zu gehen"
Viele Wartezimmer sind leer. Patienten haben trotz Schutzvorkehrungen große Angst vor einer Corona-Infektion. Mediziner beobachten einen beunruhigenden Trend. Aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus kommen auch Patienten mit akutem Behandlungsbedarf nicht mehr in die Ordinationen.
"Wir erleben traumatisierte Menschen, die sich richtiggehend davor fürchten, zu ihrem Hausarzt zu gehen", sagt Allgemeinmediziner Michael Firmötz aus Linz. Auch die Praxen seiner Kollegen seien großteils leer.

"Wir haben dank Initiative der Ärztekammer Masken und Schutzausrüstungen bekommen und ein detailliertes Bestellsystem für unsere Patienten eingeführt. Man ruft vorher an, bekommt seinen Termin und braucht keine Angst vor überfüllten Wartezimmern und einer Ansteckung zu haben."
Keine Blutdruckkontrolle mehr
Ernsthafte Sorgen macht er sich vor allem um Diabetes- und Bluthochdruckpatienten. "Diese sollten gut kontrolliert und eingestellt sein. Viele von ihnen habe ich aber wochenlang nicht mehr gesehen. Auch Befundbesprechungen von Untersuchungen, die vor dem Lockdown durchgeführt wurden, sind ausständig", sagt Michael Firmötz.
Auch Lungenpatienten – vor allem jene mit COPD oder allergischem Asthma – würden die Kontrollen nicht mehr wahrnehmen. "Erst kürzlich musste ich eine Frau mit schweren Herzrhythmusstörungen wirklich lange davon überzeugen, dass sie ins Krankenhaus gehen sollte. Schlussendlich hat sie auf mich gehört."

Weniger Herzinfarkte?
Seine Befürchtungen, dass kranke Menschen sich nicht mehr behandeln lassen, teilt er mit Fachärzten wie Kardiologen und Neurologen. So hat sich beispielsweise im März die Zahl der Patienten, die in österreichischen Krankenhäusern mit Herzinfarkt aufgenommen wurden, um 40 bis 50 Prozent verringert.
Wie das Klinikum Wels-Grieskirchen meldet, sind auch die Aufnahmen von Schlaganfall-Patienten in den vergangenen Wochen um zehn bis 20 Prozent gesunken. "Vor allem Patienten mit leichten Symptomen wie Schwindel und Sehstörungen kontaktieren seltener einen Arzt", sagt Raffi Topakian, Leiter der Abteilung für Neurologie am Klinikum Wels-Grieskirchen, und warnt: "Gerade Betroffene mit vorübergehenden Beschwerden sind bei unzureichender Abklärung gefährdet, in nächster Zeit einen schwereren Schlaganfall zu erleiden."
Sorgen um seine kleinen Patienten macht sich Primar Martin Henkel vom Ordensklinikum Barmherzige Schwestern Linz. "Der Kinderarztbesuch ist auch jetzt wichtig, damit neben Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen auch die vorgesehenen Impfungen durchgeführt werden", sagt Henkel.

Auslöser für psychische Krisen
Gar nicht mehr melden würden sich Menschen mit Depressionen und Angsterkrankungen, sagt Michael Firmötz."Dieser Teil macht immerhin rund 20 Prozent der Patienten in meiner Praxis aus. Und ich weiß, dass vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen in der jetzigen Situation besonders leiden." Die soziale Isolation und das Aussetzen von Routinen während der Corona-Krise hätten vor allem für instabile Menschen einen besonderen Einschnitt bedeutet. Passivität und Rückzug seien für diese Menschen fatal.
Posttraumatische Störungen
Michael Firmötz rechnet für die kommenden Monate mit einer steigenden Zahl von posttraumatischen Störungen. Viele Menschen hätten sich lang unglaublich gefürchtet. Andere wiederum seien sechs Wochen unter maximalem Stress gestanden.
"Ich denke an Alleinerzieherinnen mit kleinen Kindern, die sich aufgrund von Homeoffice und gleichzeitigem Homeschooling am Rande der psychischen und physischen Belastung befinden."
Die Auswirkungen würden sich erst zeigen, wenn der Stress abfällt, wieder ein bisschen Ruhe einkehrt und man Zeit hat, das Erlebte zu verarbeiten. "Wir werden mit diesen Dingen noch viel zu tun bekommen", meint der Hausarzt.

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