Samstag, 19. September 2020 

welsÜberregionales | Kommentar | 21.03.2020

Klaustrophobie könnte sich zusätzlich verbreiten

Virus mit realem Erleben bekämpfen

Wir sind heute erst am 17. Tag der freiwilligen und vielseitigen Einschränkung unseres gewohnten Lebens, mindestens 12 weitere Tage sollen folgen - dann könnte möglicherweise unser „normales“ Leben langsam starten.
Jetzt kommt es sehr darauf an wie wir alle - möglichst vernünftig - mit einer Situation umgehen, die man beim Jahreswechsel nicht einmal in einem Albtraum erleben wollte.

Jetzt steht plötzlich der Flugverkehr, der täglich Millionen (Menschen) rund um den Erdball beförderte. Die laufenden Rekordzahlen sind wie weggeblasen, angesichts des „Herunterfahrens“ unseres Lebens folgt eine noch nicht abschätzbare Rezession und wird zusätzlich Ängste schüren. Werden wir diese Situation begreifbar und erlebbar schaffen?
Monika Gruber, die messerscharfe Kabarettistin, fragte erst kürzlich von einer Bühne herunter in einen voll besetzten Saal: Was meinen Sie, werden wir nicht immer blöder? Auch dafür gab es kräftigen Applaus. Jetzt könnten wir das Gegenteil (ganz ohne Klopapier-Kauf) beweisen….
JETZT sind vor allem Psychologen und Experten gefragt, die den Politikern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Klaustrophobie? Abgesehen von dem aufkeimenden Generationsproblem (was interessieren mich denn die Alten?) werden viele Menschen Platzangst bekommen. Man wird Lösungen finden müssen, damit sich Menschen auch wieder treffen können – austauschen, nicht nur am Telefon.
Und das auch schon innerhalb den bevorstehenden 14 Tagen. Ansonsten werden uns diejenigen leicht überleben, die nach Österreich gekommen sind, um sich hier am Wohlstand zu beteiligen.

So war es noch vor wenigen Wochen!
Wir erinnern uns aber an den Start ins Jahr 2020, das angesichts der Jahreszahl so hoffnungsfroh begonnen hatte. Wir erinnern uns aber auch an die Lebenslust, die viele schon längst übertrieben haben. Klimaschutz ja gut, aber für uns wichtig? Einschränkungen? Ja, nein. Wichtig in erster Linie: Möglichst viel Freizeit, die Arbeit kann warten.
35-Stunden-Arbeitswoche, bis zu sechs Wochen Urlaub, ein bisserl Krankenstand, kostengünstigstes Service beim Hausarzt und im Krankenhaus. Skierlebnisse im Tiefschnee, Bergsteigen, surfen am Meeresstrand, PS-starke Fahrten mit Auto oder Motorrad, Fliegen rund um die Welt, Kreuzfahrt mit Vollverpflegung, Open-Air-Konzerte und so weiter und so fort.

Und die Selbstverständlichkeit bei Unfällen, Brand, Bergunfällen und auch bei Lebensgefahr. Die Retter waren da, das ist ja ihr Job. Sanitäter, Notärzte, Feuerwehr, Bergrettung, Hubschrauber-Noteinsatz und vieles mehr. Ja und wenn es doch einmal auch was kostete, wir hatten ja eine Versicherung.
Das High-Life bestimmte bereits das Leben vieler. Da lockte der Billigflug am Weekend, da musste man schon Karten für ein Open-Air 2021 kaufen, die Arbeit war ein oft schon lästiger Nebeneffekt. Und was kostete die Welt, sollten sich doch die anderen um die Natur und die Umwelt kümmern. Wir mussten die Zeit des Überflusses nutzen. Die Gutmenschen waren schon so manchem lästig.
Die Politik hatte es uns auch vorgelebt, der tägliche Kampf um Sympathie und Macht mit Hilfe der gut geförderten Medien. Fortschritt hieß die Devise, allen sollte es möglichst gut gehen. Sie kümmerten sich ja Tag und Nacht um das Wohl der Arbeiter und Arbeiterinnen (das monoton eingelernte -ter und -innen wurde in keinem Satz vergessen). Wenn man allerdings auf die übertriebene Polit-Gehaltsliste blickt, dann kann man nicht einmal erhoffen, dass sich gerade diejenigen wirklich in die Menschen hineinleben können, die nur von wenig leben müssen.
Tagtäglich haben uns die Medien, die uns 24 Stunden lang dank einer ständig steigenden Anzahl von Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehkanälen, Online-Plattformen und so fort in minutenschnelle Meldungen aus aller Welt umfassend informiert.
Das anfangs als segensreich empfundene Internet wurde schnell zu einer Möglichkeit die eigene Meinungen, menschliche Genüsse aller Art, sensationelle Gesundheits-Tipps und selbst Anleitungen zum Bau von Gewaltprodukten zu verbreiten.

Wir waren auf dem besten Weg die Welt zu erobern. Die Meldungen von kriegerischen Auseinandersetzungen, dem Wahnsinn der Waffenproduktion, der Machtgier am Finanzsektor, dem angeblich so segensreiche Flug ins Weltall – das alles waren nur Nebenerscheinungen. Die Meldungen von weltweit 24.000 Toten durch Hunger pro Tag wurden einfach übersehen oder schnell wieder vergessen.
Aufwachen nach der Katastrophe…?
Wir leben nun im Jetzt und sollten sich einfach mal vorstellen wie wir zum Beispiel im September 2020 leben werden. Da könnten Positivgedanken aufkommen und Hoffnungen entstehen.
Das Leben wird sich aber auf jeden Fall verändert haben, Wahnsinniges wie zum Beispiel der längst abschreckende Oktoberfestrummel in München sollten der Vergangenheit angehören.
Das Fliegen nicht zum Super-Sonderpreis, sondern im Verhältnis zum Kosten einer Bahnfahrt stehen und das Vergnügen nicht alles andere überdecken. Gemeinschaft wieder entdecken und leben! Und vor allem vorerst wieder Zeit nehmen, um die eigene Heimat zu genießen - auch zum Wohle der heimischen Wirtschaft!


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