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welsÜberregionales | Kommentar | 09.03.2012

Anstatt informieren: Wer ist mehr korrupt?

„Medienkrieg“ ohne Gewinner

Der Kampf der Medien um Marktanteile und im Besonderen um finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand artet immer mehr zu einem „Medienkrieg“ gegen korrupte (?) Politiker aus. Da gibt es keine Gewinner, denn jeder weiß vom anderen ob seiner Art von inoffiziellen Tätigkeiten. Übrig bleibt der werte Bürger, der glaubt sich in Medien real informieren zu können.
Die Politik hat sich die derzeitige Situation selbst eingebrockt: Noch immer erscheinen neue Medien und Politiker loben weiterhin die Medienvielfalt als demokratische Unterstützung. Schnell ein Inserat oder PR-Unterstützung dafür, um auch dort erwähnt zu werden oder sogar ins Bild zu kommen.
In der Realität schaut es allerdings längst ganz anders aus. Mit dem krampfhaften Versuch, mit Sensations-Schlagzeilen negativer Art Aufmerksamkeit zu erregen, haben nicht nur die Printmedien ihre Probleme mit Auflagenzahlen.
Erfolgsserie? So lächerlich die Umfrage-Ergebnisse von vielen Studien nach „repräsentativen Befragungen“ sind, so unterhaltsam können die Mediananalysen für den unbedarften Konsumenten sein. Die Auflagen steigen, die Einschaltquoten sind jährliche Erfolgsmeldungen und selbst die zahlreichen Radiosender melden immer mehr Hörer.
Zusammenzählen. Wer sich die Mühe macht die genannten Zahlen in Form einer Statistik zu kanalisieren, muss zum Schluss kommen, dass der angeblich so mediengeile Bürger täglich bis zu drei Fernsehprogramme inhaliert, gleich viel Radiosendern sein Ohr leiht und zusätzlich zwei Tageszeitungen und dazu noch die eine oder andere Gratiszeitung liest.
Mit dieser Fülle von Informationen setzt sich dann so mancher Bürger an den Computer und schickt einen Leserbrief mit seiner persönlichen Meinung ab. Die dann abgedruckte „Meinungsbildung“ ist eigentlich ein Ausdruck der Negativschlagzeilen der Medien.
Tatsächlich haben sämtliche Printmedien mit Auflagenzahlen (ausgenommen die unaufgefordert versandten Gratiszeitungen) zu kämpfen und das Interesse vor allem an den Nachrichten im Radio und Fernsehen geht rasant zurück.
Wer sich auf eine Urlaubsreise begibt und dabei fern von Medien unterwegs ist, der stellt spätestens am zweiten Tag fest wie entspannt ein Tagesablauf sein kann. Kein Mord, kein abgestürzter Bus in China, keine Meldung einer Hausdurchsuchung wegen Kinderpornografie oder  Korruptions-Verdacht, keine Auseinandersetzung mit der Rettung von Griechenland oder mit der Gefahr des Euro-Absturzes.
Wenn es aber wirklich den einen oder anderen Bürger gibt, der sich laut Medienanalysen mit der Medienvielfalt beschäftigt, der erkennt unschwer die Gleichartigkeit vieler Meldungen (nur die Schlagzeilen sind oft anders), die gestellten Fotos mit Politikern (manche ganz zufällig mit der jeweiligen Zeitung in Händen) und die oft „eindrucksvollen“ Recherchen, wobei dieses Wort für viele Medienfüchse offensichtlich ein unbekanntes Fremdwort ist. Es gilt die Unschuldsvermutung! 
Wikipedia klärt auf: Journalistische Recherche
Der Begriff Recherche (franz. rechercher: suchen nach; auch: Investigation; Research) bezeichnet die gezielte, nicht-beiläufige Suche nach Informationen.
Journalistische Recherche bezeichnet das eigenständige Beschaffen von Informationen im Gegensatz zum bloßen Verarbeiten von Pressemitteilungen, Agenturmaterial oder Pressekonferenzen.
Die journalistische Recherche sammelt möglichst vielfältige Informationen, die ein bestimmtes Thema aus unterschiedlichen und widerstreitenden Blickwinkeln beleuchten, um so eine ausgewogene Berichterstattung zu ermöglichen.
Im Idealfall sollte jede Information, die in journalistische Arbeit einfließt, durch Recherche abgesichert werden. In der Praxis würde dies im Regelfall einen zu großen Aufwand bedeuten.
Die Recherche ist (wäre) die Kür des Journalismus: Nur so erfahren die Menschen die Ereignisse, die ohne die Mühe des Journalisten niemals ans Licht gekommen wären. Keine journalistische Aufgabe ist schwieriger, aber auch so abhängig von Zufällen, vom Glück – und von einer detektivischen Kleinarbeit. Nur der Fleißige und Couragierte nimmt sie auf sich (laut Wolf Schneider, Paul-Josef Raue: Handbuch des Journalismus)
Im Allgemeinen wird heute kritisiert, aufgrund der wirtschaftlichen Engpässe seien Journalisten kaum noch in der Lage, ausreichend zu recherchieren. Pressemeldungen werden häufig unkritisch übernommen.

 
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